Atmung - Tipps und Erläuterung der Praxis Bruckmann
Atmung: Funktionelle Beschwerden - Praxis Bruckmann 2026Wir zeigen, wie man funktionelle Atemstörungen erkennt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, z. B. durch gezieltes Atemtraining und manuelle Therapie (u. a. Pohltherapie®). Wie hängen Atmung, Muskel‑ und Faszienspannung, Nervensystem und Stress zusammen – und warum verstärkt „falsches“ Atmen viele Beschwerden wie Nacken‑, Rücken‑, Brustschmerzen, Erschöpfung oder sogar Angstgefühle.
1. Was ist „gute“ Atmung?
„Gute“ Atmung bedeutet nicht „so tief wie möglich einatmen“, sondern: ruhig, eher leise, überwiegend durch die Nase, mit Bewegung vor allem im Bauch‑ und unteren Rippenbereich. Dabei arbeiten vor allem das Zwerchfell, der große Atemmuskel unter der Lunge und der Bauchmuskel und weniger die Hals‑ und Schultermuskeln.
Wichtige Punkte:
- Nasenatmung statt Mundatmung: Die Nase filtert, befeuchtet und erwärmt die Luft und bildet Stickstoffmonoxid (NO), das die Gefäße in der Lunge erweitert und die Sauerstoffaufnahme verbessern kann.
- CO₂‑Balance: Zu viel Atmen (Hyperventilation) senkt den CO₂‑Gehalt im Blut; dann wird Sauerstoff schlechter an die Organe abgegeben, obwohl die Sättigung am Finger normal sein kann.
- Zwerchfellatmung: Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell, Bauch und untere Rippen bewegen sich nach außen, der Rumpf wird stabilisiert und der Rücken entlastet.
2. Was passiert bei „falscher“ oder Stress‑Atmung?
Unter Stress oder bei Gewohnheit atmen viele Menschen zu schnell, zu viel und zu hoch in den Brustkorb, oft mit offenem Mund. Das man „Stressatmung“ oder Hyperventilationssyndrom. Typische Merkmale:
- Mund‑ und Brustatmung, angehobene Schultern, „Bauch einziehen“.
- Erhöhte Atemfrequenz ohne körperliche Anstrengung.
- Chronische Anspannung der Nacken‑ und Schultermuskulatur.
- Abfall des CO₂‑Gehalts im Blut (respiratorische Alkalose) mit Nervensystem‑Übererregung.
Mögliche Folgen:
- Schwindel, Benommenheit, Konzentrationsstörungen.
- Herzklopfen, Brustenge, Luftnotgefühl ohne organischen Befund.
- Kribbeln, Muskelzittern, innere Unruhe, Angstgefühle bis hin zu Panikattacken.
- Schlafstörungen, Erschöpfung, verminderte Belastbarkeit.
3. Zusammenhang mit Schmerzen in Muskeln, Faszien und Rücken
Wenn das Zwerchfell nicht mehr gut arbeitet, müssen andere Muskeln „einspringen“, vor allem im Nacken und an den Schultern. Diese Muskeln sind für Dauerarbeit nicht gedacht und entwickeln leicht schmerzhafte Verspannungen und Triggerpunkte.
Zwerchfellatmung - Praxis Bruckmann (2026)
Wichtige Zusammenhänge:
- Nackenschmerzen: Menschen mit chronischen Nackenschmerzen zeigen häufig ein gestörtes Atemmuster und eine schwache Atemmuskulatur.
- Triggerpunkte: Überlastete Hals‑ und Schultermuskeln können Schmerzen in Arme, Brust oder zwischen die Schulterblätter ausstrahlen und z. B. einen Herzinfarkt oder Bandscheibenprobleme nachahmen.
- Globusgefühl („Kloß im Hals“): Daueranspannung der vorderen Halsmuskeln kann Schluckbeschwerden und das Gefühl eines ständigen Drucks im Hals auslösen.
- Lendenwirbelsäule: Ohne gute Zwerchfellatmung fehlt Rumpfstabilität; die Rückenmuskeln verspannen, die Lendenwirbelsäule wird überlastet und Rückenschmerzen werden wahrscheinlicher oder bleiben therapieresistent.
4. Wie wird eine funktionelle Atemstörung erkannt?
Atmungsstörungen erkennen - Diagnoseschritte - Praxis Bruckmann (2026)Zunächst müssen organische Erkrankungen (z. B. Herz‑ oder Lungenerkrankungen) ärztlich ausgeschlossen werden, etwa durch Pulsoxymetrie, Lungenfunktionstest, EKG und ggf. bildgebende Verfahren. Bleiben diese Befunde unauffällig, rückt das Atemmuster in den Fokus.
- Beobachtung der Atmung: Atmen Sie über Nase oder Mund, bewegt sich eher Brust oder Bauch, heben sich die Schultern?
- Körperhaltung: Vorverlagerter Kopf, Hohlkreuz, hochgezogene Schultern sprechen oft für ein kompensatorisches Atemmuster.
5. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Eine potentiell erfolgreiche Behandlung spricht meist mehrere Ebenen gleichzeitig an: Atmung, Haltung, Muskulatur, Nervensystem und Umgang mit Stress.
Mögliche Ansätze:
- Atemtraining
- Umstellung auf ruhige Nasenatmung im Alltag.
- Schulung der Zwerchfell‑/Bauchatmung („untere Rippen öffnen“, Bauch darf sich bewegen).
- Langsamere, kleinere Atemzüge zur Verbesserung der CO₂‑Toleranz.
- Manuelle und myofasziale Therapie
- Behandlung verspannter Atemuskulatur, Atemhilfsmuskeln im Nacken, Brustkorb und Bauchbereich.
- Verbesserung der Beweglichkeit von Rippen, Wirbelsäule, Brustkorb und Zwerchfell.
- Im Text wird besonders auf die funktionellen Ansätze der Pohltherapie® hingewiesen, die Atmung, Haltung und Körperwahrnehmung kombiniert.
- Stress‑ und Selbstregulation
- Aufbau von Körperwahrnehmung: Wie atme ich in Ruhe, bei Arbeit, bei Stress?
- Einfache Übungen zur Aktivierung des Parasympathikus (z. B. ruhiges Atmen durch die Nase, verlängertes Ausatmen).
- Bei Bedarf Beratung für zusätzliche psychotherapeutische Unterstützung, wenn Angst und Panik im Vordergrund stehen.
6. Für welche Beschwerden ist das Thema Atmung besonders relevant?
Es lohnt sich ein genauer Blick auf das Atemmuster insbesondere bei:
- Chronischen Nacken‑, Schulter‑ und Rückenschmerzen.
- Wiederkehrenden Brustschmerzen oder Herzklopfen ohne organischen Befund.
- Schwindel, Benommenheit, „Watte im Kopf“.
- „Kloß im Hals“, Schluckbeschwerden, Räusperzwang.
- Atemnotgefühlen trotz unauffälliger Lungenfunktion.
- Refluxähnliche Symptome
- Innerer Unruhe, Angstsymptomen, Panikattacken.
- Schlafstörungen, Erschöpfung, Tagesmüdigkeit.
7. Kernaussage zum Mitnehmen
Atmung ist mehr als Luft holen: Sie beeinflusst Muskeln, Faszien, Herz‑Kreislauf‑System, Nervensystem und Ihre Stressreaktion. Viele hartnäckige Beschwerden – besonders im Kopf‑, Nacken‑ und Rückenbereich oder bei unerklärter Luftnot und Angst – haben eine wichtige Atemkomponente, die in der Diagnostik und Therapie bewusst mitberücksichtigt und behandelt werden sollte.
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Praxis Bruckmann - Atmung - funktionelle Störungen, myofasziale Ursachen (2026)American Physiological Society. (2024). Nose breathing lowers blood pressure, may help reduce risk factors for heart disease. Retrieved from https://www.physiology.org/detail/news/2024/01/17/nose-breathing-lowers-blood-pressure-may-help-reduce-risk-factors-for-heart-disease
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