Warum (nicht nur) Rückenschmerzen oft im Bindegewebe stecken

Viele von Ihnen kennen das frustrierende Gefühl: Der Rücken schmerzt seit Wochen oder Monaten, doch auf dem Röntgen- oder MRT-Bild ist entweder „nichts Genaues“ zu sehen oder die sichtbaren Verschleißerscheinungen passen schlichtweg nicht zu Ihren tatsächlichen Beschwerden (Schleip et al., 2026, S. 1) oder ihren zusätzlichen psychischen Beschwerden. Das ist kein Einzelfall – bei rund 85 bis 90 % aller Rückenschmerzen findet die klassische Bildgebung keine eindeutige knöcherne Ursache an Wirbeln oder Bandscheiben. Dazu gibt es nun zwei aktuelle Studien mit spannenden Ergebnissen - Overmann 2026, Schleip et al., 2026.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

  • Die Faszie ist messbar verändert und verdickt bei Menschen mit chronischen Rückenschmerzen zeigte sich die Rückenfaszie im Ultraschall häufig deutlich verdickt (in Studien um rund 25 %) und wies eine veränderte Gewebestruktur auf (Schleip et al., 2026, S. 5).
  • Eingeschränkte Gleitfähigkeit und „Verklebungen“
    Faszien bestehen aus mehreren Schichten, die im Idealfall geschmeidig aneinander vorbeigleiten (Schleip et al., 2026, S. 1–2, 7). Bei Rückenschmerz-Patienten – besonders ausgeprägt bei akuten Schmerzen – war diese Beweglichkeit und Verformbarkeit der Schichten massiv herabgesetzt (Schleip et al., 2026, S. 7)
  • Faszientechniken zeigen messbare Wirkung
    Erste Interventionsstudien belegen, dass gezielte manuelle Faszientechniken und Schabebehandlungen (Gua Sha) zu einer messbaren Reduktion der Fasziendicke und Muskelentspannung führen können (Schleip et al., 2026, S. 7–8). Alle manuellen Anwendungen erwiesen sich dabei als sicher und gut verträglich (Schleip et al., 2026, S. 8).

 

Overmann zeigt in Ihrer Studie eindrucksvoll, wie eng chronische Rückenschmerzen, körperliche Spannungen und emotionale Erschöpfung zusammenhängen. Sowohl faszienfokussierte Ansätze als auch klassische, aktive Bewegungstherapien über sechs Wochen hinweg führten zu einer deutlichen Schmerzlinderung, gesteigerter Beweglichkeit und einer spürbaren Aufhellung der Stimmung. Genau hier schlägt sich die Brücke zur manualtherapeutischen Arbeit in unserer Praxis Bruckmann und unserer kostenlosen APP GESUNDMOVE: Das fasziale Bindegewebe und die Muskulatur bilden ein sensibel vernetztes System, das Schmerzen und Stress gleichermaßen speichert. Die Studienergebnisse bestätigen, wie wirkungsvoll die gezielte Arbeit an Muskeln und Faszien (wie wir sie u. a. mit der Pohltherapie® praktizieren) in Kombination mit geführter Bewegung und geschulter Körperwahrnehmung ist: Indem verklebte Gewebeschichten gelöst und chronische Haltemuster abgebaut werden, lässt sich der Teufelskreis aus Schmerz, Bewegungseinschränkung und emotionaler Erschöpfung nachhaltig durchbrechen (Overmann 2026).

Darüberhinaus liefert nun eine weiter aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit im renommierten European Spine Journal wichtige Erklärungen und rückt die große Rückenfaszie in den Fokus, welche in unserer Praxis seit jeher eine zentrale Rolle spielt. (Thorakolumbalfaszie) (Schleip et al., 2026, S. 1–2).

Besonders freut uns: Als Mitautorin dieser hochkarätigen Studie zeichnen sich Dr. Lea Overmann  (Schleip et al., 2026, S. 1, 12) , wie auch Dr. Andreas Brandl mitverantworltich, die wir bereits 2025 in unserem Podcast „Faszienierend“ ausführlich interviewen durften!

Was wurde in der neuen Studie untersucht?

rueckenfaszie tlf webSchleip, Overmann und das internationale Forschungsteam haben 14 Studien mit insgesamt rund 880 Teilnehmerinnen und Teilnehmern systematisch zusammengefasst und ausgewertet (Schleip et al., 2026, S. 1, 5). Untersucht wurde, wie sich die Rückenfaszie von Menschen mit Rückenschmerzen im Vergleich zu gesunden Personen bei modernen Ultraschall- und Elastographie-Messungen verhält (Schleip et al., 2026, S. 1, 3):

  • Gewebe-Dicke und Struktur: Wie dick ist die Faszie und wie gleichmäßig ist sie aufgebaut (Schleip et al., 2026, S. 3, 5)?
  • Gleitfähigkeit und Beweglichkeit (Shear Strain): Können die einzelnen Bindegewebsschichten bei Rumpfbewegungen reibungsarm aneinander vorbeigleiten (Schleip et al., 2026, S. 3, 7)?
  • Festigkeit und Steifigkeit (Stiffness): Wie elastisch oder verhärtet ist das fasziale Gewebe (Schleip et al., 2026, S. 3, 7)
    Reaktion auf Behandlungen: Verändern sich diese Messwerte nach manuellen und faszialen Therapien (Schleip et al., 2026, S. 3, 7–8)?


Rückenschmerzbehandlung in der Praxis Bruckmann?

Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit bestätigen das Konzept, das wir in der Praxis Bruckmann tagtäglich leben und vermitteln:

  • Der Rücken ist mehr als nur Wirbel und Bandscheiben: Die Rückenfaszie ist dicht mit sensiblen Nervenendigungen und Schmerzrezeptoren durchzogen (Schleip et al., 2026, S. 1–2). Veränderungen in diesem Netzwerk können direkte Schmerzursachen sein (Schleip et al., 2026, S. 1–2).
    - Gezielte Entlastung und Gleitfähigkeit: Unsere therapeutischen Ansätze – von manuellen Faszientechniken über gezielte Druck- und Zugreize bis hin zu funktionellen Bewegungsübungen – setzen genau dort an, wo das Bindegewebe verklebt, verdickt oder in seiner Gleitfunktion gestört ist (Schleip et al., 2026, S. 7–8, 10–11).
  • Ganzheitliche Bewegung: Faszien brauchen vielseitige Bewegungsimpulse, Dehnung und Entlastung, um elastisch, durchfeuchtet und schmerzfrei zu bleiben (Schleip et al., 2026, S. 10–11).


Wo gibt es noch offene Fragen?

So vielversprechend die Ultraschall-Forschung ist: Die Wissenschaft steht hier vor spannenden nächsten Schritten, wie das Autorenteam um Dr. Overmann betont (Schleip et al., 2026, S. 8, 10–12):

  • Ursache oder Folge? Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob die Faszie zuerst verklebt und den Schmerz auslöst oder ob Schonhaltungen und Schmerzen dazu führen, dass das Gewebe verdickt (Schleip et al., 2026, S. 8, 10, 12).
  • Individuelle Unterschiede: Je nach Messmethode zeigen manche Patienten verhärtete, andere dagegen übermäßig lockere Faszienstrukturen (Schleip et al., 2026, S. 7, 10–11). Es gibt also nicht das „eine“ starre Faszienschema für alle (Schleip et al., 2026, S. 11–12).
  • Langzeitwirkung: Wie lange die positiven Veränderungen im Ultraschallbild nach einer Faszientherapie anhalten, soll in künftigen Langzeitstudien noch genauer untersucht werden (Schleip et al., 2026, S. 8, 11–12).


Fazit Rückenschmerz & Podcast-Tipp

Die Forschung beweist: Das Bindegewebe verdient volle Aufmerksamkeit bei Rückenschmerzen (Schleip et al., 2026, S. 1, 12).
Wenn Sie tiefer in die faszinierende Welt des Bindegewebes eintauchen möchten, hören Sie gerne noch einmal in unsere Podcast-Folge von „Faszinierend“ aus 2025 mit Dr. Lea Overmann oder hören Sie Dr. Andreas Brandl hinein! Lebendige Forschung.
Haben Sie Fragen zu Ihren Rückenbeschwerden oder möchten Sie wissen, wie wir Ihre Faszien gezielt unterstützen können? Sprechen Sie uns bei Ihrem nächsten Besuch in der Praxis Bruckmann gerne an oder buchen Sie Online einen Termin oder eine Beratung..

T. Mörgen - Praxis Bruckmann

Vollständige wissenschaftliche Quellenangabe

Schleip, R., Overmann, L., Müller, M., Warneke, K., Siegel, S. D., Bartsch, K., Pohl, T., Bensamoun, S., Haiat, G., & Brandl, A. (2026). Thoracolumbar fascia ultrasound and elastography biomarkers in low back pain: a systematic review of associations and responsiveness to intervention. European Spine Journal. https://doi.org/10.1007/s00586-026-10298-4

Overmann L, Steinmeier K, Brandl A, Egner C, Kreutzer A, Gadea de Reckel S, Floroiu PS, Zimmermann S, Stühn D, Geiß H, Kleeberg A, Schleip R. Fascia-Focused Versus Conventional Physiotherapy for Chronic Low Back Pain and Comorbid Depression in Psychosomatic Inpatients. J Clin Med. 2026 May 11;15(10):3698. doi: 10.3390/jcm15103698. PMID: 42194661; PMCID: PMC13207669.

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