Unterbauchschmerzen ohne Befund – was man tun kann!
Viele Menschen leiden an chronischen oder wiederkehrenden Unterbauchschmerzen, ohne dass ein organischer Befund vorliegt. Wenn die fachärztlichen Untersuchungen durch Internisten, Gynäkologen und Urologen ergebnislos bleiben, kommen häufig muskuläre und fasziale Ursachen wie Verspannungen und Dauerkontraktionen infrage [1, 2].
Häufige Fragen zu Unterbauchschmerzen ohne Befund (FAQ)
Was genau sind funktionelle Unterbauchbeschwerden?
Funktionelle Unterbauchbeschwerden äußern sich häufig durch ziehende, drückende oder krampfartige Schmerzen sowie Missempfindungen im unteren Bauchraum oder Unterleib. Diese Beschwerden können einseitig oder beidseitig auftreten, strahlen oft in den Beckenboden, den unteren Rücken oder die Leisten aus und betreffen sowohl Frauen als auch Männer.
Welche Ursachen können Unterleibsschmerzen ohne organischen Befund haben?
Wenn fachärztliche Untersuchungen keine organische Ursache an den inneren Organen zeigen, kommen häufig funktionelle Zusammenhänge im Bewegungsapparat infrage. Chronische Verspannungen der Bauch- und Hüftbeugemuskulatur, unelastische Faszien, Fehlhaltungen im Alltag oder Narbenzüge nach vorangegangenen Operationen können zu einer dauerhaften Spannungserhöhung im Unterbauch führen, die wie ein tiefer Organschmerz wahrgenommen wird [1, 3].
Wie unterstützt die myofasziale Körpertherapie bei Schmerzen im Unterbauch?
Bei der myofaszialen Körpertherapie (Pohltherapie®) tasten wir gezielt nach verhärteten Muskelsträngen, Triggerpunkten und Bindegewebsrestriktionen im Bereich des Bauches, des Rückens und des Beckens. Mit präzisen manuellen Techniken, Körperbewusstseinstraining und sanften Übungen begleiten wir das Gewebe dabei, erhöhte Dauerspannungen zu reduzieren und die natürliche Geschmeidigkeit der Muskulatur zu fördern [4, 5].
Was kann ich im Alltag selbst zur Entlastung des Unterbauchs tun?
Eine zentrale Maßnahme im Alltag ist das bewusste Lockerlassen der Bauchdecke in Verbindung mit einer ruhigen, tiefen Bauchatmung. Zudem empfiehlt es sich, einseitige Sitz- und Stehgewohnheiten (wie das ständige Übereinanderschlagen der Beine) zu verändern und gezielte sensomotorische Körperübungen in den Alltag zu integrieren [5].
Wieso können Unterbauchschmerzen auf muskuläre Ursachen zurückzuführen sein?
Im Unterbauch befinden sich zahlreiche oberflächliche und sehr tief liegende Muskeln. Durch Dauerspannung können auf diesen Muskeln sogenannte Triggerpunkte entstehen [1]. Dabei handelt es sich um einen druckschmerzhaften Punkt, an welchem sich verspannte und verhärtete Muskelfasern zusammenballen und Schmerzreize verursachen. Diese Reize können sich anfühlen wie Darmschmerzen, Blasenkrämpfe oder Nierenschmerzen sowie beispielsweise Eierstock- oder Gebärmutterkrämpfe. Tatsächlich sind diese Reize jedoch übertragene Muskelschmerzen und Faszienbeschwerden [1, 2]!
Wie kann man feststellen, ob die Unterbauchschmerzen muskulär bedingt sind?
Bevor muskuläre Ursachen für die Unterbauchschmerzen infrage kommen können, ist eine fachärztliche Diagnostik obligatorisch. Ergibt die Untersuchung von Internisten, Gynäkologen und Urologen keinen organischen Befund, gibt eine muskuläre und faszienorientierte Tastbefundung Aufschluss darüber, ob Verspannungen im Gewebe mit den Beschwerden zusammenhängen [2, 3].
Eine solche manuelle Untersuchung kann in unseren Praxen durch unsere erfahrenen Pohltherapeuten durchgeführt werden. Ergibt der Tastbefund deutliche Verspannungen und Dauerkontraktionen, kann mithilfe der Pohltherapie® den Beschwerden gezielt entgegengewirkt werden, wobei Patientinnen und Patienten durch Selbsthilfemaßnahmen – wie zum Beispiel unsere Onlinekurse für Frauen und Männer – selbst viel zur eigenen Entlastung und zum therapeutischen Prozess beitragen können.
Symptome muskulär bedingter Unterbauchschmerzen
Anhaltspunkte dafür, dass Unterbauchschmerzen muskulär und faszial mitbedingt sein können:
-
Die Beschwerden werden durch Bewegung besser oder schlechter, etwa beim Gehen oder beim Aufstehen aus dem Sitzen
-
Die Schmerzen sind unabhängig von der Ernährung
-
Die Beschwerden verstärken sich bei Stress oder Kälte
Welche Muskeln werden bei der Untersuchung von Unterbauchschmerzen untersucht?
Verspannungen und Triggerpunkte bei Unterbauchschmerzen können auf bestimmten Muskeln ertastet werden [1, 4, 5]:
-
Iliopsoas-Muskel: Hüftbeuger beidseits vom Rücken quer durch den Unterbauch über die Leiste bis in die Oberschenkel
-
Schräge und gerade Bauchmuskeln: Bilden die Bauchwände und bedecken einen Teil des Rückens
-
Quadratus-Lumborum-Muskel: Auf beiden Flanken vorhanden und verbindet das Becken mit dem Brustkorb
Schonhaltungen und Fehlhaltungen als Ursache für verspannungsbedingte Unterbauchschmerzen
Oft sind Unterbauchschmerzen auf mehrere verspannte Muskeln zurückzuführen. Entstehen können diese unter anderem durch Schonhaltungen, welche wiederum weitere Verspannungen nach sich ziehen. Dort, wo die Muskulatur steif und verspannt ist, sind außerdem meist Veränderungen im Bindegewebe der Unterhaut und der Faszien zu finden [4, 6].
Die Beschwerden können auf einer Körperseite deutlicher sein oder beidseitig bestehen. Das hängt davon ab, welche Fehlhaltungen und Gewohnheiten diese im Alltag begünstigt haben.
Mögliche Fehlhaltungen sind zum Beispiel ein ständig verdrehtes Becken, wenn man im Sitzen regelmäßig die Beine übereinanderschlägt. Das bringt das Becken in eine Schieflage und beansprucht einseitig die schrägen Bauchmuskeln. Auch im Stehen kann eine häufige Verlagerung des Körpergewichts auf eine einzelne Seite muskuläre Dauerverspannungen begünstigen. Ebenso können Arbeitsbedingungen wie seitlich zum Körper positionierte Monitore durch die permanente Drehung des Rumpfes Dauerverspannungen entstehen lassen.
Ob Fehlhaltungen dieser Art bei den eigenen Unterbauchbeschwerden eine Rolle spielen, kann man leicht selbst ausprobieren. Hierzu muss man lediglich im Alltag überprüfen:
-
Ist es deutlich bequemer, mehr auf einem Bein zu stehen als auf dem anderen?
-
Fühlt es sich gleich an, wenn das rechte Bein über das linke geschlagen wird oder umgekehrt? Sitzt man gerne mit angezogenen Beinen oder einem untergeschlagenen Bein?
-
Zieht man den Bauch unbewusst häufig ein oder schiebt man den Gang aufs WC gerne hinaus?
All das kann Dauerspannungen im Unterbauch begünstigen und damit zu Unterbauchschmerzen beitragen [4, 5].
Was kann ich gegen Unterbauchschmerzen ohne Befund unternehmen?
Für die Begleitung und Selbstbehandlung von Unterbauchschmerzen durch Verspannungen gibt es viele unterstützende Maßnahmen. Als allererstes gilt es, das eigene Verhalten zu überprüfen und zu sehen, was man hinsichtlich Schonhaltungen und Fehlhaltungen im Alltag verändern kann. Durch geeignete Körperübungen aus der Pohltherapie®, wie sie in unserem Onlinekurs oder unserem Buch „Unter der Gürtellinie“ [5] gezeigt werden, können einseitige Belastungen ausgeglichen und Verspannungen sanft reduziert werden. Eine ergänzende manuelle Therapie der Muskeln und Faszien durch die Behandlung in unserer Praxis kann den therapeutischen Prozess weiter unterstützen. Sie finden auch Hilfen, Übungen und Tipps in unserer kostenlosen APP GESUNDMOVE (für Apple und Android) und als WEB-APP für Laptop und PC.
Betroffene sollten sich immer wieder bewusst machen, den Bauch locker zu lassen, ihn nicht ständig einzuziehen und anzuspannen, sondern eine ruhige, tiefe Bauchatmung zu praktizieren. Das fördert das harmonische Zusammenspiel von Zwerchfell, Bauchdecke und Beckenboden und ist eine der wichtigsten täglichen Maßnahmen zur Entlastung bei Unterbauchschmerzen ohne Befund!
Unterbauchbeschwerden bei Frauen können beispielsweise auch im Zusammenhang mit einer Endometriose stehen, bei der sich häufig begleitende muskuläre Schutzspannungen im Unterbauch entwickeln [7].
Zitierte Literatur & wissenschaftliche Quellen
- Simons, D. G., Travell, J. G., & Simons, L. S. (1999): Travell & Simons’ Myofascial Pain and Dysfunction: The Trigger Point Manual (Vol. 1 & 2). Williams & Wilkins, Baltimore.
- Srinivasan, R., & Greenbaum, D. S. (2002): Chronic abdominal wall pain: a frequently overlooked problem. Practical approach to diagnosis and management. The American Journal of Gastroenterology, 97(4), 824–830.
- Montenegro, M. L. L. S., Gomide, L. B., Mateus-Vasconcelos, E. L., et al. (2009): Abdominal myofascial pain syndrome must be considered in the differential diagnosis of chronic pelvic pain. European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology, 147(1), 21–24.
- Pohl, H. (2010): Unerklärliche Beschwerden? Chronische Schmerzen und andere Leiden körpertherapeutisch verstehen und behandeln. Knaur MensSana, München.
- Bruckmann, R. (2020): Unter der Gürtellinie – Unerklärliche Beschwerden im urogenitalen Bereich körpertherapeutisch verstehen und behandeln. Droemer Knaur Verlag, München.
- Schleip, R., Findley, T. W., Chaitow, L., & Huijing, P. A. (Hrsg.) (2014): Lehrbuch Faszien: Grundlagen, Forschung, Behandlung. Urban & Fischer / Elsevier, München.
- Aredo, J. V., Heyrana, K. J., Karp, B. I., Shah, J. P., & Stratton, P. (2017): Relating Chronic Pelvic Pain and Endometriosis to Signs of Sensitization and Myofascial Pain and Dysfunction. Seminars in Reproductive Medicine, 35(1), 88–97.



