Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl® & Beckentherapie Bruckmann
Atmung & funktionelle Atembeschwerden: Perspektiven für ein gesundes, freies Durchatmen
Das Gefühl, nicht richtig tief durchatmen zu können, ein beklemmender Druck auf dem Brustkorb, häufiger Gähnzwang oder unerklärlicher Schwindel: Funktionelle Atemstörungen sind in der Diagnostik oft schwer zu greifen, lassen sich in der Therapie über die beteiligte Muskulatur, das Zwerchfell und die Faszien jedoch hervorragend behandeln. Die Praxis Bruckmann (in Saarbrücken und Neustadt an der Weinstraße) unterstützt Sie therapeutisch auf dem Weg zurück zu einer freien, natürlichen Atmung – durch gezieltes sensomotorisches Atemtraining und manuelle Körpertherapie (Pohltherapie®). Erfahren Sie hier, wie Atmung, Muskel- und Faszienspannung, Nervensystem und Stress zusammenhängen – und warum ein gestörtes Atemmuster viele Beschwerden wie Nacken-, Rücken-, Brust- oder Beckenbodenschmerzen, Erschöpfung und Angstgefühle verstärkt.
Häufige Fragen (FAQ) zu Atemnot ohne Befund, Zwerchfell & Pohltherapie® (hier aufklappen)
1. Warum habe ich das Gefühl, nicht tief durchatmen zu können, obwohl der Lungenfacharzt nichts findet?
2. Warum spüre ich Druck auf dem Brustkorb, Herzklopfen oder Schwindel trotz gesundem Herzen?
3. Wie hängen eine falsche Atmung, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen und Beckenbodenbeschwerden zusammen?
4. Warum ist ruhige Nasenatmung so viel gesünder als Mundatmung?
5. Wie werden funktionelle Atembeschwerden in der Praxis Bruckmann behandelt?
1. Was macht eine gesunde, natürliche Atmung aus?
Im Ruhezustand verläuft eine gesunde Atmung fast unmerklich, ruhig, rhythmisch und ohne jede Kraftanstrengung. Drei physiologische Säulen spielen dabei Hand in Hand:
Freie Zwerchfell- & Bauchatmung
Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell (unser wichtigster Atemmuskel) kuppelförmig nach unten: Bauchdecke, Flanken und untere Rippen bewegen sich elastisch nach außen, der Rumpf wird von innen stabilisiert, der Rücken entlastet und der Beckenboden sanft mitbewegt (Bordoni & Zanier, 2013).
Nasenatmung statt Mundatmung
Die Nase filtert, befeuchtet und erwärmt die Atemluft und bildet Stickstoffmonoxid (NO). Dieses Molekül erweitert die Blutgefäße in der Lunge, verbessert die Sauerstoffaufnahme, senkt nachweislich den Blutdruck und reduziert Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Beschwerden (American Physiological Society, 2024; Courtney et al., 2022).
CO2-Balance & Ruhenerv
Ruhiges, nicht zu tiefes Atmen erhält einen gesunden Kohlendioxid-Spiegel (CO2) im Blut. Erst durch ausreichend CO2 können die roten Blutkörperchen den Sauerstoff optimal an Muskeln, Organe und Gehirn abgeben (sogenannter Bohr-Effekt, Zamora, 2025) – gleichzeitig schaltet das vegetative Nervensystem auf Entspannung (Parasympathikus).
2. Warum spüre ich diesen Druck auf dem Brustkorb, obwohl die Kardiologin nichts findet?
Unter chronischem Stress, bei konzentrierter Bildschirmarbeit oder durch langjährige Körpergewohnheiten atmen viele Menschen unbemerkt zu schnell, zu viel und zu hoch in den oberen Brustkorb – oft durch den leicht geöffneten Mund, während der Bauch dauerhaft eingezogen bleibt. Das nennt man "Stressatmung" oder ein funktionelles (chronisches) Hyperventilationssyndrom (Meuret & Ritz, 2010; DocCheck Flexikon, 2024).
Typische Merkmale der Stressatmung:
- Überwiegende Mund- und obere Brustatmung, hochgezogene Schultern und ständiges "Bauch einziehen".
- Erhöhte Atemfrequenz und häufiges Seufzen oder Gähnen – selbst in körperlicher Ruhe.
- Chronische Anspannung der Hals-, Nacken-, Brust- und Schultermuskulatur.
- Abfall des CO2-Gehalts im Blut (Hypokapnie bzw. respiratorische Alkalose) mit direkter Übererregung des Nervensystems und erhöhter Muskelspannung.
Mögliche körperliche Folgen:
- Schwindel, Benommenheit ("Watte im Kopf"), Seh- und Konzentrationsstörungen.
- Herzklopfen, Brustenge und Brustkorbschmerzen (sogenannte Pseudo-Angina-pectoris, Lawson et al., 2011) sowie Luftnotgefühl ohne organischen Befund.
- Kribbeln (z. B. um den Mund oder in den Fingern), Muskelzittern, innere Unruhe, Angstgefühle bis hin zu Panikattacken.
- Schlafstörungen, schnelle Erschöpfung und verminderte körperliche wie mentale Belastbarkeit.
3. Warum habe ich Atemnot, obwohl der Lungenfacharzt nichts findet?
Wenn das Zwerchfell durch eine chronisch angespannte Bauchdecke, ein starres Brustbein oder verklebte Faszien am Rippenbogen nicht mehr frei schwingen kann, müssen andere Muskeln als Nothelfer "einspringen" – vor allem die sogenannten Atemhilfsmuskeln im Hals, Nacken und an den Schultern (wie die Skalenus-Muskeln, der Kopfwender oder der kleine Brustmuskel). Diese Muskeln sind für eine solche Dauerarbeit von rund 20.000 Atemzügen pro Tag jedoch anatomisch nicht gebaut und entwickeln rasch schmerzhafte Verspannungen und aktive Triggerpunkte (Cuenca-Martínez et al., 2023).
Wichtige muskuläre und fasziale Zusammenhänge im Körper:
- Nackenschmerzen & Kloß im Hals: Menschen mit chronischen Nackenschmerzen oder einem Globusgefühl (Kloß im Hals) zeigen sehr häufig ein gestörtes, nach oben verlagertes Atemmuster und eine überlastete Hals- und Atemmuskulatur.
- Ausstrahlende Triggerpunkte: Überlastete Hals-, Brust- und Schultermuskeln können Schmerzen in die Arme, in die vordere Brustwand oder zwischen die Schulterblätter ausstrahlen und das Gefühl einer starren "Panzerung" um den Brustkorb erzeugen (Lawson et al., 2011).
- Lendenwirbelsäule & Rückenschmerzen: Ohne eine geschmeidige Zwerchfellatmung fehlt dem Rumpf seine innere hydraulische Stabilität. Die Rückenmuskeln und die große Rückenfaszie müssen kompensatorisch dauerhaft gegenhalten – die Lendenwirbelsäule wird überlastet und Rückenschmerzen werden chronisch oder bleiben therapieresistent (Journal of Pain Research, 2024).
- Beckenboden & Unterbauch: Da Zwerchfell und Beckenboden bei jedem Atemzug wie zwei parallel schwingende Membranen zusammenarbeiten, führt eine blockierte Hochatmung fast immer auch zu einem starren, hypertonen Beckenboden (z. B. bei CPPS oder Unterbauchbeschwerden).
4. Beschwerden, Missempfindungen – und meine guten Ärzte finden nichts?
Nicht alle Ärztinnen und Ärzte sind auf funktionelle Atemmuster und myofasziale Spannungsketten spezialisiert (BMJ Open Respiratory Research, 2024). Selbstverständlich müssen bei Atemnot, Brustdruck oder Herzstolpern immer zuerst organische Erkrankungen (z. B. Herz- oder Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD) fachärztlich ausgeschlossen werden – etwa durch Pulsoxymetrie, Lungenfunktionstest (Spirometrie), EKG und gegebenenfalls bildgebende Verfahren.
Bleiben diese apparativen Befunde jedoch unauffällig, rückt in unserer körpertherapeutischen Untersuchung das funktionelle Atemmuster in den Fokus:
- Beobachtung der Atembewegung: Atmen Sie in Ruhe über die Nase oder den Mund? Bewegt sich beim Einatmen eher der obere Brustkorb oder darf sich der Bauch weich nach vorne wölben? Heben sich bei jedem Atemzug unbewusst die Schultern?
- Analyse der Körperhaltung: Ein vorverlagerter Kopf, ein eingesunkener Brustkorb (Rundrücken / Stoppmuster), ein starkes Hohlkreuz oder chronisch hochgezogene Schultern sprechen fast immer für ein kompensatorisches Atemmuster.
- Manuelle Tastuntersuchung (Palpation): Wir ertasten sanft die Spannung und Beweglichkeit von Bauchdecke, unterem Rippenbogen (Zwerchfellansatz), Zwischenrippenmuskeln, Brustbein, Rücken- und Nackenmuskulatur.
- Strukturierte Symptomerfassung: Ergänzend geben validierte Kriterien (wie aus dem Nijmegen Questionnaire, Grammatopoulou et al., 2014) klare Hinweise darauf, ob eine funktionelle Hyperventilation an Ihren Symptomen beteiligt ist.
5. Wie wir Ihnen in unseren Praxen in Saarbrücken und Neustadt helfen können
Eine nachhaltig erfolgreiche Behandlung spricht bei funktionellen Atembeschwerden mehrere Ebenen gleichzeitig an: Atmung, Körperhaltung, Muskulatur/Faszien, vegetatives Nervensystem und den Umgang mit Alltagsstress. Hier setzen wir gezielt die funktionellen Verfahren der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® (Pohltherapie®) und der Beckentherapie Bruckmann ein:
1. Manuelle & myofasziale Therapie (Pohltherapie®)
- Gezielte manuelle Behandlung verspannter Atemmuskulatur und überlasteter Atemhilfsmuskeln in Nacken, Hals, Brustkorb und Bauchbereich.
- Lösen von Faszienverklebungen und Triggerpunkten zur Verbesserung der elastischen Beweglichkeit von Rippen, Wirbelsäule, Brustkorb und Zwerchfell.
- Geführte Bewegungen (Pandiculations), damit das Nervensystem lernt, den "festgehaltenen" Atemraum wieder freizugeben.
2. Sanftes, funktionelles Atemtraining
- Schrittweise Umstellung auf eine ruhige Nasenatmung im Alltag und bei Bewegung (Harbour et al., 2022).
- Schulung der natürlichen Zwerchfell- und Bauchatmung ("untere Rippen weich öffnen", der Bauch darf sich beim Einatmen entspannt mitbewegen).
- Gewöhnung an ruhigere, kleinere Atemzüge zur Verbesserung der natürlichen CO2-Toleranz.
3. Körperbewusstsein & Selbstregulation
- Aufbau von Körperwahrnehmung: Wie atme ich in Ruhe, am Computer, beim Sprechen oder unter Zeitdruck? Wann halte ich unbemerkt die Luft an?
- Einfache somatische Übungen zur sofortigen Aktivierung des Parasympathikus (z. B. sanftes Ausatmen, Kiefer und Bauchdecke lösen).
- Bei Bedarf Empfehlung ergänzender therapeutischer Unterstützung, wenn ausgeprägte Angst- und Panikmuster im Vordergrund stehen.
6. Für welche Beschwerden ist das Thema Atmung besonders relevant?
Ein genauer körpertherapeutischer Blick auf Ihr Atemmuster und Ihre Atemmuskulatur lohnt sich insbesondere bei folgenden Beschwerdebildern:
- Chronische Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen sowie ISG-Blockaden
- Wiederkehrende Brustkorbschmerzen (Brustwandsyndrom), Rippenstechen oder Herzklopfen ohne kardiologischen Befund
- Atemnotgefühle, Lufthunger oder Gähnzwang trotz unauffälliger Lungenfunktionsprüfung
- "Kloß im Hals" (Globusgefühl), Schluckbeschwerden, Stimmstörungen und ständiger Räusperzwang
- Schwindel, Benommenheit ("Watte im Kopf"), Ohrgeräusche (Tinnitus) und Kieferverspannungen (CMD)
- Refluxähnliche Symptome, Oberbauchdruck sowie funktionelle Unterbauch- und Beckenbodenbeschwerden
- Innere Unruhe, erhöhte Stressreaktivität, Angstsymptome und Panikattacken
- Schlafstörungen, chronische Erschöpfung und ausgeprägte Tagesmüdigkeit
Haben Sie Fragen oder leiden Sie unter unerklärlichen Atem- und Muskelbeschwerden?
Als zertifizierte Therapeutinnen und Therapeuten für Pohltherapie® und Beckentherapie Bruckmann in Saarbrücken und Neustadt an der Weinstraße helfen wir Ihnen gerne weiter, die muskulären und faszialen Ursachen zu erkennen und nachhaltig zu lösen:
1. Behandlung vor Ort & Online-Sprechstunde
Vereinbaren Sie einen Untersuchungstermin in Saarbrücken oder Neustadt an der Weinstraße – oder besprechen Sie Ihre Beschwerden vorab in unserer persönlichen Online-Sprechstunde.
Praxistermin buchen Online-Sprechstunde2. Selbsthilfe: Bücher, Online-Kurse & App
Nutzen Sie unsere Fachbücher ("Kloß im Hals", "Rückenschmerzen selbst behandeln", "Unter der Gürtellinie"), unsere Online-Kurse sowie die kostenlose App GesundMove.
Kostenlose App GesundMove Zu den Online-KursenWissenschaftliche Quellen, Studien & Fachliteratur zum Thema Atmung (hier aufklappen)
- American Physiological Society (2024): Nose breathing lowers blood pressure, may help reduce risk factors for heart disease. Link zur Quelle
- Bordoni, B. & Zanier, E. (2013): Anatomic connections of the diaphragm: influence of respiration on the body system. Journal of Multidisciplinary Healthcare, 6, 281–291. https://doi.org/10.2147/JMDH.S45443
- Bruckmann, R. & Mörgen, T.: Kloß im Hals – Unerklärliche Beschwerden im Hals-, Kiefer- und Kopfbereich verstehen und selbst behandeln sowie Rückenschmerzen selbst behandeln mit der Pohltherapie und Unter der Gürtellinie. Knaur MensSana (Droemer Knaur Verlag), München.
- Courtney, R., Engel, R., Grace, S., Potts, A., Riordan, B., Ireland, K., Osbourne, C., & Sukhtankar, A. (2022): Functional Nasal Breathing Rehabilitation: Effectiveness and Feasibility of an Online Integrative Breathing Therapy Protocol. International Journal of Orofacial Myology and Myofunctional Therapy, 48(1), 1–14. https://doi.org/10.52010/ijom.2022.48.1.2
- Cuenca-Martínez, F., Sempere-Rubio, N., Muñoz-Gómez, E., Mollà-Casanova, S., Carrasco-González, E., & Martínez-Arnau, F. M. (2023): Respiratory Function Analysis in Patients with Chronic Pain: An Umbrella Review and Meta-Analysis of Pooled Findings. Healthcare, 11(9), 1358. https://doi.org/10.3390/healthcare11091358
- Diagnosing Dysfunctional Breathing (2024): BMJ Open Respiratory Research, 11(1), e001884. Link zur Studie
- Diaphragm fatigue and breathing mechanics in chronic low back pain (2024): Journal of Pain Research. https://doi.org/10.2147/JPR.S496917
- DocCheck Flexikon (2024): Hyperventilationstetanie. Link zum Fachbeitrag
- Grammatopoulou, E., Skordilis, E., Georgoudis, G., & Haniotou, A. (2014): Hyperventilation in asthma: A validation study of the Nijmegen Questionnaire – NQ. Journal of Asthma, 51(8), 839–846. https://doi.org/10.3109/02770903.2014.922190
- Harbour, E., Stöggl, T., Schwameder, H., & Finkenzeller, T. (2022): Breath Tools: A Synthesis of Evidence-Based Breathing Strategies to Enhance Human Running. Frontiers in Physiology, 13, 813243. https://doi.org/10.3389/fphys.2022.813243
- Lawson, G. E., Hung, L. Y., Ko, G. D., & Laframboise, M. A. (2011): A case of pseudo-angina pectoris from a pectoralis minor trigger point caused by cross-country skiing. Journal of Chiropractic Medicine, 10(3), 173–178. https://doi.org/10.1016/j.jcm.2011.01.008
- Meuret, A. E. & Ritz, T. (2010): Hyperventilation in Panic Disorder and Asthma: Empirical Evidence and Clinical Strategies. International Journal of Psychophysiology, 78(1), 68–79. https://doi.org/10.1016/j.ijpsycho.2010.05.006
- Physiological consequences of chronic overbreathing and hypocapnia (2023): PubMed Central (PMC). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9525762/
- Pohl, H. (2010): Unerklärliche Beschwerden? Chronische Schmerzen und andere Leiden körpertherapeutisch verstehen und behandeln. Knaur MensSana, München.
- Thieme: Physiologie und Pathophysiologie der Nasenatmung. PDF-Fachbeitrag
- Zamora, C. (2025): The Bohr Effect: Breathing for Strength, Stress Resilience, and Tactical Recovery. TACFIT.