Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl® | Praxis Bruckmann
Was steckt hinter einem Fremdkörpergefühl im Hals?
Ursachen und körpertherapeutische Ansätze – ein Fachartikel, reviewed von Prof. Dr. med. Hajo Schneck und der Fachautorin Renate Bruckmann (Buch: "Kloß im Hals – Effektive Übungen, Alltagstipps und Selbstbehandlungen für einen beschwerdefreien Hals und Nacken", Droemer Knaur).
Häufige Fragen (FAQ) zum Kloß im Hals (Globusgefühl) & zur Behandlung (hier aufklappen)
1. Was ist das Globusgefühl (Kloß im Hals)?
Die Begriffe "Kloß im Hals", "Globussyndrom", "Globus pharyngis" oder "Globusgefühl" beschreiben die anhaltende Wahrnehmung, einen Fremdkörper, Druck oder eine Enge im Hals zu haben, die sich nicht wegschlucken lässt. Typische Begleitsymptome sind ein ständiger Räusperzwang, Reizhusten, Stimm- oder Schluckbeschwerden sowie Halsschmerzen, ohne dass bei der ärztlichen Untersuchung ein krankhafter Organbefund vorliegt.
2. Was sind die häufigsten Ursachen für einen Kloß im Hals ohne ärztlichen Befund?
Neben organischen Ursachen wie Reflux oder Schilddrüsenerkrankungen (die immer zuerst ärztlich abgeklärt werden sollten) spielen sehr häufig muskuläre Verspannungen und myofasziale Veränderungen im Hals-, Kiefer- und Nackenbereich eine Rolle. Wenn ärztliche Befunde unauffällig ausfallen, liegt die Ursache oft in einer Dauerspannung der Muskulatur und Faszien, die Druck auf die umliegenden Strukturen im Hals erzeugt.
3. Ist das Globusgefühl psychisch oder körperlich bedingt?
Oft wirkt beides zusammen: Während ein kurzzeitiges Kloßgefühl durch akute Emotionen (wie unterdrücktes Weinen) normal ist und wieder verschwindet, geht ein chronisches Globusgefühl meist mit körperlich tastbaren Spannungen in Muskulatur und Faszien einher. Gleichzeitig führt ein ständiges Engegefühl im Hals verständlicherweise zu Besorgnis und Stress. Eine gezielte Lockerung der Muskulatur und Faszien kann dabei unterstützen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
4. Können Kieferprobleme (CMD) oder eine Schilddrüsen-OP einen Kloß im Hals begünstigen?
Ja. Zähneknirschen (Bruxismus) und eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) führen zu einer Dauerkontraktion der Kiefermuskulatur und überlasten die kleinen Kieferöffner am Mundboden, die eng mit der Halsmuskulatur vernetzt sind. Auch nach einer Schilddrüsenoperation kann sich das Bindegewebe ausgehend von der Narbe zusammenziehen und ein Druck- oder Engegefühl am Hals begünstigen.
5. Wie läuft die Behandlung in der Praxis Bruckmann ab?
Nach einer ausführlichen Anamnese beurteilen unsere erfahrenen Pohltherapeuten in Saarbrücken und Neustadt an der Weinstraße Körperhaltung, Bewegungsfunktionen und Atmung und untersuchen manuell Bindegewebe und Muskeln an Hals, Kopf, Kiefer und Nacken. Durch behutsame manuelle Techniken sowie die Einbeziehung der Atemmuskulatur von Bauch, Brustkorb und Rücken wird eine Entlastung des Gewebes angestrebt.
6. Was kann man selbst gegen das Globussyndrom tun?
Wichtig ist die Entlastung der Hals-, Kiefer- und Nackenmuskeln im Alltag. Sanfte Lockerungs- und Wahrnehmungsübungen sowie das Verändern ungünstiger Alltagsgewohnheiten (z. B. der Bildschirmhaltung) können begleiten. Praktische Anleitungen finden Sie in unserem
Buch "Kloß im Hals", in unserem Online-Kurs sowie in der kostenlosen
App GesundMove.
1. Kloßgefühl – das Gefühl, etwas im Hals zu haben
Kloß im Hals und andere Beschwerden (Nacken, Kiefer, Hals) – Praxis Bruckmann (2026)
Das Gefühl "Kloß im Hals" kann stark belasten – ebenso Schluckbeschwerden sowie Halsschmerzen ohne Befund. Halsbeschwerden machen allein 2,7 % der Beratungsanlässe in deutschen Hausarztpraxen aus (DEGAM, 2021, S. 26). Das ist auch Teil eines sehr breiten und für Hausarztpraxen nicht unproblematischen Leistungsspektrums (Laug, 2010, S. 15). "Obwohl bakterielle Ursachen bei Halsschmerzen eher selten sind, werden bei über 60 % der Halsschmerzpatienten Antibiotika verschrieben" (DEGAM, 2021, S. 10).
Aber nicht nur die diagnostische Unterscheidung zwischen bakteriellen und viralen Ursachen ist anspruchsvoll. Wenn die Beschwerden chronisch werden, können sie die Lebensqualität stark einschränken. Längst nicht alle Beschwerden sind ausschließlich organisch bedingt (z. B. Reflux, Schilddrüse, Struma), sondern können durch funktionelle Verspannungen und Überlastungen entstehen. In der Medizin bezeichnet man anhaltende Schmerzen, die durch Verspannungen und Überlastung bedingt sind, auch als Myofasziales Schmerzsyndrom (vgl. Shah, 2008; Treaster, 2006). Die myofaszialen Auswirkungen auf das "Kloßgefühl" stehen in der Forschung noch am Anfang, werden aber zunehmend beachtet und untersucht (vgl. Bordoni, 2017; Schabrun, 2018; Bordoni, 2019; Patel, 2020).
Was bedeutet "Kloß im Hals"?
Die Begriffe "Kloß im Hals", "Globussyndrom", "Globus pharyngis" oder "Globusgefühl" stehen für das gleiche Phänomen:
Ein anhaltendes Fremdkörper-, Druck- oder Engegefühl im Hals, das nicht von allein verschwindet und die Lebensqualität im Alltag einschränken kann.
Es ist wichtig, zuerst ärztliche Diagnostik in Anspruch zu nehmen, um organische Erkrankungen wie einen Reflux oder Schilddrüsenerkrankungen fachärztlich abzuklären. Ist zum Beispiel ein echter Reflux (aufsteigende Magensäure) der Grund für die Beschwerden, kann ein Säureblocker angezeigt sein. Ist die Magensäure dagegen nicht der Auslöser, bringt meist auch ein Säureblocker keine Veränderung. Fast jeder Dritte (28 %), der wegen solcher Beschwerden ärztlich untersucht wird, bleibt ohne organische medizinische Diagnose (vgl. Bublak, 2018).
Wenn die ärztliche Diagnostik keinen organischen Befund ergeben hat, ist es sinnvoll zu überprüfen, ob verspannte Muskeln und Faszien als Ursache für die Beschwerden infrage kommen.
2. Symptome: Mehr als nur ein Kloßgefühl
Vom Globussyndrom Betroffene beginnen oft unwillkürlich mit einem ständigen Räuspern oder Hüsteln, um die Missempfindung loszuwerden – was das Engegefühl jedoch meist weiter reizt. Myofaszial bedingte Spannungen im Hals-, Kiefer- und Nackenbereich können sich unter anderem äußern als:
- Kloß im Hals (Globussyndrom / Globusgefühl)
- Druck- und Engegefühl im Hals
- Im Hals lokalisierte Übelkeit oder Würgereiz
- Halsschmerzen ohne entzündlichen Befund
- Kehlkopfschmerzen oder Druckempfindlichkeit am vorderen Hals
- Stimmstörungen (belegte, gepresste oder rasch ermüdende Stimme)
- Schluckstörungen (insbesondere beim Leerschlucken)
- Chronischer Reizhusten oder Räusperzwang
- Funktionelle Atemstörungen
- Nackenbeschwerden (inkl. funktionellem Schwindel und Tinnitus)
- Kieferbeschwerden und Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) – bis hin zu Zahnschmerzen ohne zahnärztlichen Befund
- Ohrgeräusche, Ohrendruck und Kopfschmerzen
3. Selbst-Check: Können Muskeln und Faszien der Grund für Ihr Globussyndrom sein?
Je mehr Fragen unseres Selbst-Checks Sie mit "Ja" beantworten können, desto näher liegt der Hinweis, dass muskuläre und fasziale Verspannungen an Ihren Beschwerden beteiligt sind:
→ Download PDF-Datei: Kloß im Hals – Selbstcheck-Liste
4. Muskuläre Ursachen: Warum Faszien und Muskeln den Hals einengen können
Wieso können muskuläre Probleme mit so vielen unterschiedlichen Beschwerden im Hals, Kopf und Nacken zusammenhängen? Das liegt daran, dass sowohl die Bewegungen des Kopfes als auch Vorgänge wie Schlucken, Sprechen, Kauen und Atmen unmittelbar von einer fein abgestimmten muskulären Bewegung abhängen.
Zwischen Kopf und Kragen befinden sich zahlreiche größere und kleine Muskeln, die diese komplexen Bewegungsabläufe übernehmen und in enger Wechselwirkung zueinander stehen. Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht und verspannen die Muskeln dauerhaft, können vielfältige Beschwerden entstehen: Denn verspannte Muskeln benötigen mehr Raum und erzeugen dadurch mechanischen Druck auf die umliegenden Strukturen – was Betroffene als Druck- oder Kloßgefühl wahrnehmen. Oft sind dadurch auch die Funktionen im Hals beeinträchtigt: Atmen, Schlucken und Sprechen können sich anstrengend, krampfig oder sogar schmerzhaft anfühlen (Schleip, 2016, S. 49). Verspannte Gewebe können somit ein myofasziales Schmerzsyndrom hervorrufen, das mit Funktionsstörungen, Schmerzen und Missempfindungen einhergeht (vgl. Fernández de las Peñas, 2010).
5. Körpertherapeutische Behandlung: Was kann beim Globusgefühl unterstützen?
Foto: A. Klein (2023)
Wenn Beschwerden im Hals, Nacken oder Kopf bestehen und eine organische Ursache durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen wurde, zeigt die therapeutische Erfahrung häufig, dass eine gezielte Lockerung der Muskeln und Faszien dazu beitragen kann, die Beschwerden zu mindern und die natürlichen Bewegungsfunktionen zu unterstützen.
Das zentrale Ziel besteht darin, die Halsmuskeln zu entlasten und den Körper aus seiner unbewussten Anspannung herauszuführen (vgl. Fleischer et al., 2017, S. 36 ff.). Dazu bieten wir Ihnen verschiedene Wege an:
- Manuelle Behandlung & Beratung:
Sie können die Selbstbehandlung nach den Anleitungen in unserem Buch "Kloß im Hals" oder der Schritt-für-Schritt-Anleitung im Online-Kurs in Eigenregie kennenlernen. Oder Sie vereinbaren einen persönlichen Behandlungstermin mit uns: Terminvereinbarung für unsere Standorte in Saarbrücken und Neustadt an der Weinstraße (ehemals Deidesheim) unter 0681 / 954 10 951 (Mo–Do von 12:30 bis 14:30 Uhr). Telefon- oder Online-Sprechstunden für eine ausführliche Beratung sind ebenfalls möglich.
- Übungen zur Lockerung der verspannten Muskulatur:
Selbst durchführbare sensomotorische Übungen sind in jedem Fall sinnvoll und begleiten die manuelle Therapie. Sie finden die Übungen in der kostenlosen App GesundMove, im Buch "Kloß im Hals" sowie im zugehörigen Online-Kurs.
Kloßgefühl im Hals behandeln – unsere Vorgehensweise
Am Beginn unserer Untersuchung der Hals-, Nacken- und Kopfbeschwerden steht eine ausführliche Anamnese. Das bedeutet, wir fragen unter anderem:
- Wann und unter welchen Lebensumständen sind Ihre Beschwerden erstmalig aufgetreten?
- Gab es in der Vorgeschichte Operationen, Erkrankungen (Schilddrüse, HWS etc.) oder Unfälle?
- Gab es besondere Belastungssituationen, zahnärztliche Eingriffe oder kieferorthopädische Behandlungen?
- Haben Sie weitere Beschwerden an anderen Stellen Ihres Körpers – und wenn ja, wo?
- Was haben Sie bisher unternommen und mit welchem Ergebnis?
- Welche fachärztliche Diagnostik ist bereits erfolgt?
- Was verschlechtert oder verbessert Ihre Beschwerden im Alltag?
- Wann treten die Beschwerden typischerweise auf?
- Wo genau spüren Sie die Beschwerden und wie fühlen sie sich an?
- Welche Medikamente nehmen Sie ein?
Foto: A. Klein (2023)
Ergänzend stellen wir Fragen zu Beruf, Freizeit und Sport, um weitere Hinweise auf muskuläre Spannungsmuster zu gewinnen. Anschließend beurteilen wir Körperhaltung, Bewegungsfunktionen und Atmung und untersuchen manuell Ihr Bindegewebe und Ihre Muskeln an Hals, Kopf, Kiefer und Nacken.
Daraufhin erfolgt die manuelle Behandlung durch unsere erfahrenen Pohltherapeuten. Durch behutsame manuelle Techniken von außen an Kopf, Hals und Nacken – sowie gegebenenfalls von innen für jene Kiefer- und Mundbodenmuskeln, die über die Mundhöhle erreichbar sind – unterstützen wir die Lockerung der verspannten Gewebe. Häufig wird auch die Atemfunktion über eine Behandlung der Atemmuskeln von Bauch, Brustkorb und Rücken einbezogen, um den oberen Halsbereich nachhaltig zu entlasten.
Die in der Behandlung gewonnenen Verbesserungen werden durch gezielte Übungen zu Hause vertieft; die Beobachtung und Veränderung von Alltagsgewohnheiten, die unbemerkt Spannung im Hals und Rachen erzeugen, ergänzen die Therapie.
6. Globusgefühl im Hals: Psychisch oder muskulär?
Kloß im Hals – Ursachen – Myofasziale Enge (Grafik: T. Mörgen 2026 mit KI)
Das chronische Globusgefühl ist sehr häufig muskulär und faszial mitbedingt. Der "Kloß" entsteht vor allem durch die Anspannung von Muskeln des Halses, die beim Sprechen, Schlucken, Kauen und Atmen aktiv sind. Das ist zu unterscheiden von einem kurzzeitigen Kloßgefühl, das durch akut aufkommende Gefühle ausgelöst wird – beispielsweise wenn man versucht, das Weinen zu unterdrücken. Diesen situativen "psychischen" Kloß im Hals kennt vermutlich jeder Mensch, und in der Regel klingt dieses Gefühl rasch wieder ab.
Besteht jedoch fortwährend Spannung in der Muskulatur und das Kloßgefühl verschwindet nicht mehr, führt dies verständlicherweise zu Besorgnis und Angst. Auf diese Weise können auch Stress und Sorgen einen Kloß im Hals sowie andere Halsbeschwerden verstärken. Umgekehrt gilt ebenso: Durch das anhaltende Globusgefühl entstehen überhaupt erst Angst und Sorgen – vor allem dann, wenn man die Ursache nicht kennt und die Lebensqualität eingeschränkt wird. So entsteht ein klassischer Teufelskreis. Für die Standardmedizin bleibt ohne sichtbaren Schleimhautbefund dann oft nur die Annahme rein psychischer Auslöser – und das bei fast jedem dritten Patienten (vgl. Bublak, 2018).
Drei wichtige Punkte zur Orientierung:
- Ein Globusgefühl bildet man sich nicht ein: Ein körperlich tastbarer Befund ist häufig in der äußeren Muskulatur und den Faszien zu finden, auch wenn der HNO-Arzt im Halsinneren keinen organischen Befund festgestellt hat.
- Wechselwirkung der Aufmerksamkeit: Je mehr man daran denkt, umso stärker spürt man die Enge – und je mehr man sie spürt, desto mehr kreisen die Gedanken darum. Das ist eine normale Schutzreaktion und nimmt oft schon ab, sobald man die anatomischen Zusammenhänge versteht.
- Körperliche Entlastung beruhigt auch die Psyche: Erfahrungsgemäß lässt auch der seelische Druck deutlich nach, sobald sich die verspannte Muskulatur lockert und das Engegefühl im Hals nachgibt.
7. Globussyndrom (Globus pharyngis), Fehlatmung und Zähneknirschen (Bruxismus)
Myofasziales Schmerzsyndrom im Hals *1
Grafik: N. Römer, Droemer-Knaur-Verlag 2024, Buch: Kloß im Hals
Bei unerklärlichen Halsschmerzen, Globussyndrom, Stimmstörungen und Missempfindungen sollte differenzialdiagnostisch stets die Muskulatur mitsamt den Faszien des Halses als möglicher Verursacher in Betracht gezogen werden (vgl. Bartolome, 2022). Neben der paralaryngealen Muskulatur (Kehlkopfumgebung) kommen auch die Mm. sternocleidomastoidei (Kopfwender), das Platysma (oberflächlicher Hautmuskel des Halses) und ein hypertoner Nacken infrage.
Darüber hinaus tragen häufig eine Fehlatmung (wie die obere Brust- und Hochatmung) oder verspannte Kiefermuskeln zu einer chronischen Überlastung der vorderen Halsmuskeln bei. Diese Beobachtung entspricht dem Konzept des Repetitive Strain Injury (vgl. Lacerda, 2005): "Wiederholte Belastungsverletzungen umfassen eine Gruppe von Störungen, die sich am häufigsten bei Arbeitnehmern mit übermäßigen und sich wiederholenden Bewegungen des Halses und der oberen Extremität entwickeln" (Guidotti, 1992). Dabei übernehmen die kleinen Halsmuskeln dauerhaft Halte- und Atemaufgaben der großen Rumpf- und Atemmuskeln und geraten in Überlastung. Deswegen ist es in der Regel wichtig, die Atmung in die Behandlung einzubeziehen (vgl. Fleischer et al., 2017).
Zusammenhang mit Zähneknirschen (Bruxismus)
Dasselbe Überlastungsphänomen kann auftreten, wenn sich die Kiefermuskulatur in einer Dauerkontraktion befindet, wie es beim nächtlichen oder tagsüber unbewussten Zähneknirschen und Pressen (Bruxismus) der Fall ist: Die kleinen Kieferöffner am Mundboden und Zungenbein (wie M. digastricus und M. mylohyoideus) können durch die permanente Gegenarbeit zu den kräftigen Kieferschließern (Mm. temporales, Mm. masseteres und Mm. pterygoidei) überlastet sein (vgl. Simons, 2002). Der Schmerzforscher Prof. Siegfried Mense weist darauf hin: "Wenn diese Triggerpunkte nicht erkannt oder unzureichend therapiert werden, kann ein chronisches Schmerzsyndrom entstehen" (Mense, 2021, S. 156) – wozu er auch Begleitbeschwerden wie Ohrgeräusche oder Schwindel zählt.
Das liegt daran, dass zahlreiche Muskeln und Faszien die verschiedenen Strukturen miteinander verbinden und geschmeidig zusammenarbeiten müssen, damit es im Hals "flutscht und gleitet". So kann ein verspannter Nacken an der Rückseite des Halses dazu beitragen, dass vorne ein Globusgefühl entsteht. Ebenso kann die Gewohnheit, die Kiefer zusammenzupressen, zu Spannungen im Bereich der Ohren führen, was mit Schwindel, Tinnitus und Kopfschmerzen einhergehen kann. Und verspannte seitliche Halsmuskeln können sowohl die Kopfbeweglichkeit einschränken als auch den Kehlkopfbereich einengen, sodass Stimmprobleme oder sogar Zahnschmerzen ohne zahnärztlichen Befund auftreten können (vgl. Fernández de las Peñas, 2021).
Globusgefühl nach einer Schilddrüsenoperation
Nach einer Schilddrüsenoperation kann sich ausgehend von der Operationsnarbe das umliegende Bindegewebe (Faszie) am vorderen Hals zusammenziehen. Das ist von außen oft kaum sichtbar, lässt sich jedoch von geübter Hand deutlich ertasten. Durch eine behutsame manuelle Behandlung des Narben- und Fasziengewebes kann häufig eine spürbare Entlastung erreicht werden.
Tipp zum vorsichtigen Selbsttest an einer verheilten Narbe: Wenn Sie betroffen sind (und die Wundheilung vollständig abgeschlossen ist), nehmen Sie vorsichtig eine kleine Hautfalte in der Nähe Ihrer Narbe zwischen Daumen und Zeigefinger und rollen Sie diese mit sanftem Druck hin und her. Spüren Sie dabei ein scharfes, schneidendes Ziehen in der Haut und Unterhaut, spricht dies für verklebtes Bindegewebe, das sich gezielt manuell behandeln lässt.
8. Nackenverspannungen, Kieferbeschwerden und Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
Verspannte Nackenmuskeln können zu Tinnitus und Schwindel beitragen. Zudem können aktive Triggerpunkte in der Nackenmuskulatur Spannungskopfschmerzen auslösen und an der Entstehung von Migräne beteiligt sein (vgl. Wagner, 2022). Die meisten Nackenbeschwerden entstehen durch unbewusste, "spannende Gewohnheiten" im Alltag:
- Gleitsichtbrillen am Bildschirm, die dazu führen, dass der Kopf ständig leicht in den Nacken gelegt wird
- Ungünstig eingestellte Monitore und Schreibtische, die eine Daueranspannung im Nacken und Schultergürtel fördern
- Stundenlanges Sitzen am Laptop oder Smartphone mit stark gesenktem oder vorgeschobenem Kopf
- Autositze, die den Oberkörper in einen Rundrücken und den Kopf in eine vorgeschobene Position bringen
- Zu wenig Bewegungsausgleich zur sitzenden Tätigkeit
- Nächtliches Zähneknirschen und Pressen, das neben den Kiefer- fast immer auch die Nackenmuskeln verspannt
Bei Stress und Kälte kommen weitere Faktoren hinzu, indem wir unwillkürlich die Schultern hochziehen und den Nacken festmachen.
Zähneknirschen: Kieferbeschwerden und Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
Kieferbeschwerden und Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) durch Bruxismus.
Grafik: N. Römer, Droemer-Knaur-Verlag 2024, Buch: Kloß im Hals
Stress zählt zu den Hauptauslösern für Kieferbeschwerden. Redensarten wie "sich durchbeißen" oder "die Zähne zusammenbeißen" verdeutlichen, wie unmittelbar die Kiefermuskulatur auf emotionale Anspannung reagiert. Bruxismus bezeichnet das unbewusste Zähneknirschen und -pressen; der Fachbegriff Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) beschreibt eine Funktionsstörung im Zusammenspiel zwischen Schädel (Cranium) und Unterkiefer (Mandibula) (vgl. Fernández de las Peñas, 2021).
Unsere Kaumuskeln verbinden den Oberkiefer (der fest zum Schädel gehört) mit dem beweglichen Unterkiefer, der sich beim Kauen, Sprechen und Gähnen bewegt. Die kräftigen Kaumuskeln schließen den Kiefer und bewegen ihn vor, zurück und zur Seite. Zum Öffnen des Unterkiefers dienen dagegen kleine Muskeln unter dem Kinn und am Mundboden, die wesentlich zarter gebaut sind als die starken Kieferschließer.
Geraten die Kaumuskeln in eine Dauerkontraktion, können die schwächeren Kieferöffner den Mund oft nicht mehr frei öffnen (manchmal nur noch einen statt der normalen drei Finger breit). Zudem nutzen sich die Zähne durch nächtliches Pressen und Reiben stark ab, die Kiefergelenke direkt vor dem Ohr werden belastet und aktive Triggerpunkte in der Kaumuskulatur können Schmerzreize senden, die unter anderem folgende Beschwerden begünstigen:
- Schläfenkopfschmerz und Stirnkopfschmerz
- Gesichtsschmerzen und Zahnschmerzen ohne zahnärztlichen Befund
- Ohrenschmerzen, Ohrendruck sowie Beteiligung an Tinnitus und Schwindel
Was tun bei Kieferbeschwerden, CMD und Stress?
Zunächst empfiehlt sich die Abklärung bei einer auf CMD spezialisierten Zahnärztin oder einem Zahnarzt, um zu prüfen, ob beispielsweise ein Störkontakt an den Zähnen vorliegt und ob eine angepasste Aufbissschiene Zähne und Kiefergelenke nachts schützen sollte.
Gleichzeitig spielt der Abbau muskulärer Überspannung eine zentrale Rolle: Eine "inadäquate Stressbewältigung erhöht die latente Entzündungsbereitschaft des lockeren Bindegewebes" (Pischinger, 2004, S. 50). Auch Mense beschreibt den Zusammenhang von psychischem Stress bei der Entstehung von Spontanschmerzen und neurogenen Entzündungsprozessen in Muskeln und Faszien (Mense, 2021, S. 37). Neben äußeren Belastungen ("externe Stressoren") wirken oft eigene Perfektionsansprüche und Glaubenssätze ("innere Stressoren", wie das Gefühl, niemals "Nein" sagen zu dürfen) als unbewusste Spannungstreiber.
Gezielte Kiefer- und Halsübungen zur Selbsthilfe: In der Praxis zeigen wir unseren Patientinnen und Patienten sanfte Möglichkeiten zur Selbstbehandlung der Kiefer-, Mundboden- und Halsmuskulatur sowie des Bindegewebes. Wie Mense formuliert: "Jede Muskeldehnung ist eigentlich eine Bindegewebsdehnung" (Mense, 2021, S. 83). Als Pohltherapeuten setzen wir statt passiven Dehnens auf eine aktive, sensomotorische Entspannung – denn eigene, achtsame Bewegungsaktivität unterstützt, wie Froböse es ausdrückt, "metabolische Prozesse in der Muskulatur zu einer wieder normalisierten Zusammenarbeit von Muskeln und Gehirn" (Froböse, 2023, S. 168).
9. Ein Zugspannungsnetzwerk im Hals- und Nackenbereich
Hals mit Binde (Faszien), Rauber-Kopsch, 1940
Schon 1940 zeichneten Rauber-Kopsch in ihrem Anatomiebuch die "Binde" (Faszien) und die Muskeln des Halses detailliert ein (siehe das nachkolorierte und überarbeitete Bild). Was man damals noch nicht im Detail wissen konnte: dass diese "Binde" eine hochkomplexe biochemische und sensorische Struktur eines körperweiten Zugspannungsnetzwerkes darstellt, das zahlreiche funktionelle und nervale Wechselwirkungen beeinflussen bzw. intensiv auf Spannung und Stress reagieren kann.
Stellen Sie sich anhand der anatomischen Zeichnung vor, dieses Bindegewebe (die Faszien) wird ein wenig dicker, verfilzter und verliert an Elastizität – und gleichzeitig verkürzen oder verhärten sich die darin eingebetteten Hals- und Kiefermuskeln. Es wird unmittelbar anschaulich, warum dadurch vielfältige funktionelle Beschwerden wie ein Kloß- oder Engegefühl im Hals entstehen können.
Autoren & fachliche Prüfung (© 2026):
Prof. Dr. med. Hajo Schneck: Facharzt für Anästhesiologie, Träger der Bayerischen Verdienstmedaille um die Gesundheit, Gründer des Ebersberger Fördervereins Interplast, 35 Jahre im Einsatz für Interplast Germany.
Renate Bruckmann: Heilpraktikerin, Pohltherapeutin, langjährige Ausbildungsleiterin der Pohltherapie®, Mitgründerin des Berufsverbandes der Pohltherapie® und Fachbuchautorin.
Kloß im Hals? – Das Buch zur Selbsthilfe
Die erfahrenen Pohltherapeuten Renate Bruckmann und Tilo Mörgen haben mit dem Buch "Kloß im Hals" einen praxisnahen Ratgeber für Betroffene verfasst, der leicht verständlich über die myofaszialen Hintergründe zahlreicher Beschwerden im Hals-, Kiefer- und Nackenbereich informiert und mit einfachen Übungen sowie angeleiteten Selbstbehandlungsmöglichkeiten Wege zur Eigenhilfe aufzeigt.
Ihr nächster Schritt: Abklärung & Begleitung in der Praxis Bruckmann
Wenn fachärztliche Untersuchungen keinen organischen Befund ergeben haben, unterstützen wir Sie in der Praxis Bruckmann mit der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® (Pohltherapie®) persönlich vor Ort sowie mit unseren Angeboten zur Selbsthilfe:
1. Untersuchung vor Ort & Online-Sprechstunde
Lassen Sie sich an unseren Standorten in Saarbrücken (Pestelstr. 4) oder Neustadt an der Weinstraße (Hauptstr. 93–95) untersuchen und behandeln – oder nutzen Sie unsere persönliche Online-Sprechstunde.
Praxistermin buchen Online-Sprechstunde
2. Selbsthilfe: Buch "Kloß im Hals" & App
Nutzen Sie die Übungen und Selbstbehandlungsgriffe im Ratgeber "Kloß im Hals" (Renate Bruckmann & Tilo Mörgen) sowie in unserer kostenlosen App GesundMove.
Zum Buch "Kloß im Hals" Kostenlose App GesundMove
Telefonische Terminvereinbarung: 0681 / 954 10 951 (Mo–Do von 12:30 bis 14:30 Uhr)
*1: Folgende Hinweise des Prüfers (Prof. Dr. med. H. Schneck) wurden aufgenommen, aber noch nicht in der Zeichnung korrigiert: In der Grafik "Myofasziales Schmerzsyndrom im Hals" sind zwei kleine Beschriftungsfehler enthalten. Einmal soll es "M. omohyoideus" heißen und es fehlt die Beschriftung des Zungenbeins. Wir werden dies bei nachfolgenden Neuzeichnungen berücksichtigen.
Zitierte Fachliteratur & wissenschaftliche Quellen zum Thema "Kloß im Hals" (hier aufklappen)
- Bartolome, G. & Schröter-Morasch, H. (2022): Schluckstörungen – Interdisziplinäre Diagnostik und Rehabilitation. Urban & Fischer / Elsevier, München.
- Bordoni, B. & Marelli, F. (2017 / 2019): Anatomical and myofascial relationships of the hyoid bone, tongue, and cervical fascia in swallowing and globus sensation. Journal of Multidisciplinary Healthcare / Cureus.
- Bruckmann, R. & Mörgen, T. (2024): Kloß im Hals – Effektive Übungen, Alltagstipps und Selbstbehandlungen für einen beschwerdefreien Hals und Nacken. Droemer Knaur Verlag, München.
- Bublak, R. (2018): Unerklärliche Beschwerden in der ärztlichen Diagnostik. Ärzte Zeitung / Springer Medizin.
- DEGAM (2021): Halsschmerzen – S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (AWMF-Register-Nr. 053-010). S. 10, S. 26.
- Fernández de las Peñas, C. et al. (2010 / 2021): Myofascial Trigger Points and Craniomandibular / Cervical Pain Syndromes. Handspring Publishing / Churchill Livingstone.
- Fleischer, S. et al. (2017): Funktionelle Stimm- und Schluckstörungen – Zusammenhänge mit Haltung, Atmung und Halsmuskulatur. S. 36 ff.
- Froböse, I. (2023): Muskelstoffwechsel, Bewegung und neuromuskuläre Steuerung. S. 168.
- Guidotti, T. L. (1992): Occupational repetitive strain injury. American Family Physician, 45(2), 585–592.
- Lacerda, E. M. et al. (2005): Prevalence and associations of repetitive strain injury (RSI) in neck and upper extremities.
- Laug, P. (2010): Versorgungsspektrum und Beratungsanlässe in der Allgemeinmedizin. S. 15.
- Mense, S. (2021): Muskel- und Faszienschmerz: Ursachen, Mechanismen und Therapie myofaszialer Schmerzsyndrome. S. 37, S. 83, S. 156.
- Patel, D. A. et al. (2020) & Schabrun, S. M. et al. (2018): Myofascial and sensorimotor mechanisms in chronic neck and pharyngeal symptoms.
- Pischinger, A. (2004): Das System der Grundregulation – Grundlagen einer ganzheitsbiologischen Medizin. Haug Verlag, S. 50.
- Rauber, A. & Kopsch, F. (1940): Lehrbuch und Atlas der Anatomie des Menschen. Georg Thieme Verlag, Leipzig.
- Schleip, R. (2016): Faszien-Fitness – Vital, elastisch, dynamisch in Alltag und Sport. Riva Verlag, München, S. 49.
- Shah, J. P. et al. (2008) & Treaster, D. et al. (2006): Biochemical milieu of active myofascial trigger points and continuous low-level muscle contraction. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation / Journal of Electromyography and Kinesiology.
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Literaturverzeichnis
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Bordoni, B., et al., Exploring the Neural Basis of Coughing: Inhibitory Control of Cough, Medical Science Monitor 23: 4620-4625, 2017
Bordoni, B., et al., Anterior Cervical Fasciae and Inner Human Balance, Cureus 11(6): e4912, 2019DEGAM, S3-Leitlinie, AWMF-Register-Nr. 053-010 DEGAM-Leitlinie Nr. 14S. 30, geänderte Fassung 12/21
Fernández de las Peñas, C., et al., Cranimandibuläre Dysfunktion (CMD), Berlin 2021
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Fleischer, S., et.al., Globus pharyngis: Gezielte Muskeldehnung gegen den Kloß im Hals, HNO-Nachrichten, 47 (3), 36 – 41, 2017
Froböse, I., Muskeln: Die Gesundmacher, Berlin 2023
Guidotti T. L., Occupational repetitive strain injury. Am Fam Physician, 45(2): 585-92, 1992
Laug, G. et. al., Versorgungsforschung in der Hausarztpraxis, Ergebnisse aus dem CONTENT Projekt 2006–2009, München 2010
Lacerda E. M., et.al., Prevalence and associations of symptoms of upper extremities, repetitive strain injuries (RSI) and 'RSI-like condition'. A cross sectional study of bank workers in Northeast Brazil. BMC Public Health. 2005 Oct 11; 5:107, doi: 10.1186/1471-2458-5-107, 2005
Mense S., Muskeln, Faszien, Schmerz, Stuttgart/New York, 2021
Patel, N., et al., A Scoping Review of the Use of Ultrasound Imaging in Physical Therapy Practice, Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy 50(7): 366-379, 2020
Pischinger, A., Das System der Grundregulation, Stuttgart, 2004
Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring ·2021, 6(S3) DOI 10.25646/7854, Berlin 2021
Schleip, R., Baker, A., Faszien in Sport und Alltag, München 2016
Shah J. P, Gilliams E. A., Uncovering the biochemical milieu of myofascial trigger points using in vivo microdialysis: an application of muscle pain concepts to myofascial pain syndrome. Journal Bodyw Mov Ther., 12(4): 371–384, 2008
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Hinweise zum medizinischen Ausschluss (Disclaimer)